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Die Streitkräfte des Iran

Dan Löffler

Die Islamische Republik Iran ist, nach regionalen Maßstäben gemessen, die einzige verbliebene Militärmacht im Golfgebiet. In den aktiven Verbänden und Einheiten der Teilstreitkräfte dienen circa 540.000 Soldaten. Darüber hinaus gibt es eine Armeereserve mit geschätzten 350.000 Soldaten. Auf diese Reserve kann aber aufgrund des fehlenden regelmäßigen Trainings, der nicht vorhandenen Ausrüstung und Führungskräfte nur mittelfristig zurückgegriffen werden. In der Tat verfügt das Militär kaum noch über kampferprobte Offiziere aus dem Irak-Iran Krieg. Die Ausbildung der regulären Truppen wird wenig konsequent durchgeführt und leidet zunehmend unter veralteten Methoden und Material. Besonders mangelhaft werden die über 200 000 Wehrpflichtige während ihres 18-monatige Dienstes trainiert.

Die Spaltung der Regierung in Moderate und Hard-Liner hat inzwischen auch das Militär erreicht und es zum (innen-)politischen Machtinstrument der politischen Führer werden lassen. Die gesamten bewaffneten Kräfte des Landes stehen unter dem Oberbefehl des religiösen Führers Ayatollah Khamenei. Er war es auch, der nach der Revolution im Jahr 1979 neben den regulären Streitkräften, die schon zu Zeiten des Schahs bestanden, die so genannte Revolutionsgarde aufstellte. Darauf begann zwischen beiden Armeen ein Interessenkampf um Einfluss und Mittel. Das führt dazu, dass eine Zusammenarbeit nicht stattfindet und im Kriegsfall die Koordination zwischen dem regulären Militär und der Revolutionsgarde wenn überhaupt, äußerst schwierig wird.

Die iranische Militärdoktrin scheint eine Zusammenstellung aus ehemaligen amerikanischen, britischen und russischen Grundsätzen zu sein, die zusammengetragen wurden und weder untereinander angepasst noch den regionalen Besonderheiten und den Spezifikationen des iranischen Militärs entsprechend modifiziert wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass die einzelnen Verbände unterschiedlich strukturiert und ausgestattet sind, sodass die Kampfdoktrin auf viele Einheiten nicht anwendbar ist.

Nach dem Ersten Golfkrieg mit dem Irak in den 80ger Jahren reduzierte der Iran seine Ausgaben für den Import von Militärtechnik auf ein Bruchteil, was vor allem der schwierigen wirtschaftlichen Lage nach dem langen Krieg zugeschrieben werden muss. Zudem verhinderte das Waffenembargo Lieferungen von westlichen Rüstungsfirmen und Regierungen, die zu Zeiten des Schahs in den 70ger Jahren den Großteil der Kriegstechnik in den Iran lieferten. Trotzdem versuchte man in den 90ger Jahren kontinuierlich die Lücken in den Beständen aufzufüllen. Die wichtigsten Partner waren dabei Russland, China, Nord Korea und ehemalige Staaten des Warschauer Pakts.

Die Landstreitkräfte

In der iranischen Armee dienen geschätzte 350 000 Soldaten und Offiziere. Organisiert sind sie in 4 Corps mit 4 Panzerdivisionen, 6 Infanteriedivisionen, 2 Kommandobrigaden, eine Luftlandebrigade und andere kleinere selbständige Einheiten. In der Praxis ist jede iranische Division unterschiedlich organisiert. Beispielsweise ist lediglich die 92. Division ausreichend ausgerüstet, um als eine wahre Panzerdivision eingesetzt zu werden. Auch die Infanteriedivisionen unterscheiden sich stark im Grad ihrer Mechanisierung. Die 23. Spezialkräftedivison und die 55. Fallschirmjägerdivision gelten als die zuverlässigsten und schlagkräftigsten Verbände der regulären Armee. Die umfasst eine breite Anzahl selbstständiger Brigaden und anderer Einheiten. Dazu gehören eine Infanteriebrigade, eine Luftlande- und zwei bis drei Kommandobrigaden, eine Küstenverteidigungsgruppe, eine wachsende Anzahl an Luftabwehreinheiten, 5 Artilleriebrigaden bzw. -regimenter, 4 bis 6 Hubschraubergruppen und eine wachsende Anzahl an Logistik- und Nachschubeinheiten.

Die Fahrzeug- und Waffenbestände der Armee

Die folgenden Angaben stützen sich auf die Angaben des renommierten IISS (International Institute for Strategic Studies). Die Angaben sind mit Vorsicht zu behandeln, weil die Einsatzbereitschaft der oft mehrere Jahrzehnte alten Fahrzeuge und Ausrüstung nicht beurteilt werden kann und neuere Waffenlieferungen oft im Verborgenen stattfinden.

Kampfpanzer:

Insgesamt sollen sich in den Depots 1,565 Kampfpanzer befinden, von denen lediglich circa 500 im Vergleich zu den Nachbarstaaten als modern angesehen werden können. Nach dem aktuellen Erkenntnisstand befinden sich folgende Kampfpanzer im Bestand der Armee:

150-260 M-47/M-48

150-160 M-60A1

200 Chieftain Mark 3/5

75 T-62

400 T-72/T-72S

250 T-54/T-55

150-300 T-59

50 T-62

150-250 T-69II

über 100 Zulfiqar

Während die Panzerwaffe des Irans relativ schlagkräftig und zahlreich ist und momentan mit modernen russischen Modellen aufgefüllt wird, entsprecht die Ausrüstung der mechanisierten Einheiten längst nichtmehr den Anforderungen. Den vielen unterschiedlichen, oft veralteten und abgenutzten Typen fehlt es an Ersatzteilen und die iranischen Modernisierungsambitionen können dieses Problem nur begrenzt beheben.


Leichte Panzer, Schützenpanzer und andere gepanzerte Fahrzeuge

Nach den schwankenden Angaben in der Fachpresse verfügt die Armee über 865 weitere gepanzerte Kampffahrzeuge und 550-670 gepanzerte Schützenpanzerwagen.

70-80 britische Scorpion

Einige Tosan (iranischer leichter Panzer)

350 BMP-1

400 BMP-2

35-100 EE-9 Cascavel (Aufklärungspanzer)

230-240 M-113

300-320 BTR-40, BTR- 50 und BTR-60

120-150 Cobra/BMT-2

Einige Boragh (iranischer Spz nach dem Vorbild des BMP)

Dazu kommen eine unbekannte Anzahl Berge-, Instandsetzungs- und Brückenlegepanzer sowie eine breite Palette unterschiedlicher gepanzerter Spezialfahrzeuge.

Artillerie

Besonders umfangreich wurde die Artillerie während des ersten Golfkrieges in Ermangelung großer gepanzerter Verbände und schlagkräftiger Luftunterstützung aufgebaut. Von den über 3.000 mittleren und schweren Geschützen und Mehrfachraketenwerfern sowie 800 bis 900 Granatwerfern ist aber nur knapp die Hälfte ausreichend mobil um den Panzern und mechanisierten Kräften beim Manövergefecht folgen zu können. Deswegen werde derzeit einige Anstrengungen unternommen, um die Qualität und Quantität der Panzerhaubitzen zu steigern. Dazu kaufte man sowohl russische Modelle und entwickelte auf deren Basis eigene Panzerhaubitzen, die momentan ihre operationelle Einsatzfähigkeit erhalten.

Außerdem sind die wichtigen Fähigkeiten zur Aufklärung und Zielzuweisung - insbesondere in der Tiefe und in der Nacht - nicht vorhanden und mindern die Kampfkraft der Artillerie zusätzlich. So muss man davon ausgehen, dass das große Vertrauen des iranischen Militärs in diese Truppengattung im Ernstfall ein großes Risiko darstellt. Auch die aktuellen Bemühungen mithilfe israelischer Technik unbemannte Aufklärungsflugzeuge zu entwickeln wird daran in den kommenden Jahren nichts ändern.

Die schwere Artillerie des iranischen Heeres umfasst mehr als 2.000 Rohre gezogene Artillerie, mehr als 300 Panzerhaubitzen und ungefähr 900 Mehrfachraketenwerfer in folgender Zusammensetzung.

25-30 M-110 203 mm Panzerhaubitzen

20-30 M-107 175 mm Feldhaubitzen

130-150 M-109 155 mm Panzerhaubitzen

60-80 2S1 122 mm Panzerhaubitzen

Eine unbekannte Anzahl an iranischen Raad-1 (Thunder-1) 122 mm und Raad-2 (Thunder-2) 155 mm Panzerhaubitzen

Die Granatwerfer sind hauptsächlich Versionen in den Kaliber 107 mm und 120 mm sowie 81 mm und 82 mm.

Folgende Raketenwerfer unterschiedlicher Herkunft befinden sich im Inventar der Armee:

10 M-1989 240 mm

500-700 chinesische Type 63 sowie iranische Haseb und Fadjir-1 im Kaliber 107 mm

Über 100 sowjetische BM-21 und BM-11 122 mm

50 Hadid 122 mm

Eine unbekannte Anzahl an Falaq 1 + 2 im Kaliber 240 mm, iranische Nachbauten der chinesischen und russischen Raketenwerfer im Kaliber 122 mm mit der Bezeichnung Arash und Noor sowie einige Fadjir-3 im Kaliber 240 mm.

Die Entwicklung wirkungsvoller Artillerie konzentriert sich auch auf ungelenkte taktische und operative Raketen. Die biologischen und chemischen Sprengköpfe, mit denen die weitreichenden Raketen bestückt werden können, stellen eine besonders gefährliche Bedrohung dar. Natürlich stehen auch konventionelle Sprengköpfe und Versionen mit Submunition zur Verfügung, die wegen der ungenügenden Zielgenauigkeit vorzugsweise gegen große Truppenansammlungen und Ziele mit strategischer oder operativer Bedeutung eingesetzt werden. Über Kernsprengköpfe verfügt das iranische Militär nach eigenen Angaben und internationalen Erkenntnissen nicht.

Die ungelenkte Oghab (320 mm) kann eine 70 kg schwere Nutzlast mit einer maximalen Ungenauigkeit von 500 m in ein 35 km entferntes Ziel bringen.

Die Fadjr-4 (Shahin-1) und Fadjr-5 (Shahin-2) sind zwei Artilleriesysteme im Kaliber 333 mm mit einer Reichweite von 75 km und einem Sprengkopf von 175 kg.

Die genauen technisch-taktischen Details der relativ neuen Nazeat-Rakete sind noch nicht bekannt. Die verschiedenen Angaben schwanken zwischen einem Kaliber von 335 mm und 450 mm und Reichweiten um die 100 km.

Die Zelzal 2 (610 mm) kann mit ihrem 600 kg schweren Sprengkopf selbst in einer Entfernung von 210 km noch einen enormen Schaden anrichten. Die Genauigkeit ist aber auch bei diesem Typ für einen gezielten Einsatz gegen Punktziele absolut ungenügend.

Die letzte Entwicklung ist die Shahab-3 mit einer Nutzlast von 1 000 kg und einer Reichweite von 1 300 km. Von den wenigen Tests waren nur knapp 50 % erfolgreich, so dass man davon ausgehen muss, dass die operative Einsatzfähigkeit dieses Waffensystems noch nicht erreicht wurde.

Berichte der Geheimdienste, wonach eine 2 000 km weit reichende Weiterentwicklung mit der Bezeichnung Shahab-4 angestrebt wird, werden von iranischer Seite vehement dementiert.

Luftabwehrsysteme

Bei der Abwehr von Luftbedrohungen stützt sich die Truppenluftabwehr der iranischen Armee hauptsächlich auf die mehr als 1.700 Luftabwehrkanonen und eine extrem hohe Anzahl von leichten, meist tragbaren Luftabwehrraketen. Die Fähigkeit zur radargestützten Luftraumüberwachung ist nur im begrenzten Maße vorhanden. Und selbst die vorhanden Systeme sind größtenteils überholt und verwundbar gegen elektronische Gegenmaßnahmen. Das wirkungsvollste Luftabwehrsystem der Truppenluftabwehr ist der russische radargesteuerte Flakpanzer ZSU-23-4 (23 mm), von denen fast 100 Fahrzeuge verfügbar sind. Die vielen Hundert restlichen Flaksysteme der Typen:

ZPU-2/4 (14,5 mm),

M 163 Vulcan (20 mm)

ZU-23 (23 mm),

M-1939 (35 mm),

Skyguard (35 mm)

Type 55 (37 mm)

Bofors L/70 (40 mm) und

ZSU-57-2 (57 mm)

sind lediglich in der Lage Sperrfeuer zu schießen. Folglich verfügen die Luftabwehrbatterien aber über kein Waffensystem, mit denen sie auch moderne Flugzeuge und Hubschrauber in mittleren und großen Höhen punktgenau unter Feuer nehmen können.

Für tieffliegende Flugzeuge und Hubschrauber stellen die in großen Massen verfügbaren tragbaren Flugabwehrraketen allerdings eine ständige Bedrohung dar. Das große Vertrauen in diese Waffensysteme spiegelt auch eine eigene Produktion an russischen SA-7 Strela wieder. Neben diesen russischen Varianten, zu denen auch modernere Weiterentwicklungen gehören hauptsichtlich die nach russischen Vorbildern produzierte HN-5 aus China, einige RBS-70, FIM-92 Stinger und chinesische FM-80 sowie.


Ebenso wie bei der Luftabwehr setzt man auch bei der Panzerabwehr auf den massierten Einsatz von mobilen panzerbrechenden Waffen, insbesondere von tragbaren Systemen. Die Spanne reicht von drahtgesteuerten Panzerabwehrlenkflugkörper über rückstoßfreie Geschütze und Raketenwerfer bis zu Panzerfäusten in vielen unterschiedlichen Kalibern und Versionen.


- 50-75 TOW

- 20-30 Dragon

- unbekannte Anzahl an AT-2, AT-3 und AT-4 Raketen

- 100-200 Starter für AT-4

- 750 RPG-7V, RPG-11, and 3.5" Raketenwerfer

- 150 M-18 (57 mm)

- 200 M-20 (75 mm) und B-10 (82 mm)

- 200 M-40 (106 mm) und B-11 (107 mm)

Die iranische Rüstungsindustrie baut die AT-3 und die SPG-9 (73 mm) aus russischer Produktion nach und fertigt eine verbesserte Versionen der RPG-7 mit einem 80 mm Tandem-HEAT Gefechtskopf mit der Bezeichnung NAFEZ. Weil diese Waffen im Anbetracht der sehr guten Schott-, Cobham und Reaktivpanzerungen moderner Panzer nicht mehr den Ansprüchen genügen, versucht die Armee ständig in China, Russland und der Ukraine neue moderne Waffen zu kaufen.

Hubschrauber:

Bis zum Sturz des Schah befanden sich die Heeresflieger in einer umfassenden Aufbauphase und sollte zu einem wirkungsvollen Mittel zur Unterstützung der Bodentruppen gemacht werden. Deswegen wurden in den 70ger Jahren sehr viele westliche Muster eingekauft und die nötige Infrastruktur geschaffen. Diese Truppengattung hat unter dem Waffenembargo am meisten zu leiden, weil fast alle wichtigen Ersatzteile fehlen. Trotz der Anpassung an die Situation mit eigenen Fertigungseinrichtungen ist die Einsatzfähigkeit der verbliebenden Hubschrauber sehr fragwürdig. Momentan befinden sich folgende Muster bei der iranischen Armee:


- 50 AH-1J Sea Cobra

- 20 CH-47C

- 110-130 Bell-214A

- 30-35 AB-214C

- 35-40 AB-205A

- 10 AB-206

- 25 Mi-8/Mi-17


Die Kommunikationsverbindungen in und zwischen allen Ebenen der iranische Armee basieren hauptsächlich auf veraltete und vor allem unsichere VHF-Funkgeräte. Deswegen werden die Versuche, die Kommunikationswege zu verbessern nicht erfolgreich sein, bis neue digitale Technologien beschafft worden sind. Erst dann ist es möglich mit den großen Datenmengen effizient umzugehen, die im schnellen Gefecht der verbundenen Waffen entstehen. Obwohl dahingehend bereits Anstrengungen unternommen werden, braucht das iranische Militär bestimmt noch viele Jahre, um ein netzwerkzentriertes Führungssystem aufbauen zu können.

Die Revolutionären Garden (Pasdaran)

Die Revolutionären Garden bilden mit ihren über 120 000 zusätzlichen Soldaten eine Armee in der regulären Armee. Geschätzte 100 000 Mann dienen bei den Bodentruppen, knapp 15 000 Mann bei den Seestreitkräften, 5 000 bei der Marineinfanterie und einige Tausend bei den fliegenden Einheiten. Eine genaue Zuordnung der einzelnen Truppenteile des Iran ist ebenso schwierig wie eine Einschätzung der Kampfkraft und organisatorischen Aufstellung der Garde. Nach dem aktuellen Erkenntnisstand umfasst sie 2 Panzerdivisionen, 5 mechanisierte Divisionen, 10 Infanteriedivisionen, eine Spezialkräfte-Division und bis zu 15 selbstständige Brigaden. Einige Verbände sind allerdings kadriert und dürften auch im Mobilmachungsfall kaum an die zahlenmäßige Stärke westlicher Verbände heranreichen. Obwohl der Ausrüstungsstand der Garde besser ist als die der regulären Verbände scheint die Gefechtsbereitschaft stark zu variieren. Außerdem unterscheidet sich die Kommandostruktur zwischen den Teilstreitkräften innerhalb der Garde stark.

Der Auftrag an die Revolutionären Garden umfasst auch die Erfüllung politischer Ziele im In- und Ausland. Dafür arbeitet die Garde eng mit dem iranischen Geheimdienst VEVAK und verschiedenen Ministerien zusammen. Mit den so genannten Qods soll die Garde ein geeignetes Mittel zur Erfüllung dieser Zielsetzung verfügen. Es ist eine kleine Anzahl von Einheiten mit ungefähr 5.000 speziell geschulten und ausgerüsteten Soldaten. Ihr Auftrag umfasst vorwiegend die Beschaffung von wichtigen nachrichtendienstlichen Informationen und die Anwendung asymmetrischer Kampftaktiken - auch, und insbesondere im Ausland.

Der wachsende Einfluss wichtiger Militärs der Garde in der Rüstungsindustrie des Irans und das Interesse des Oberbefehlshabers Ali Khamenei an einer guten Ausrüstung „seiner" Revolutionären Garden, führt zu einer Bevorzugung bei der Indienststellung neuer Waffensysteme. Die konventionelle Ausstattung umfasst nach Ansicht des IISS 470 Kampfpanzer, 620 Schützenpanzer und gepanzerte Fahrzeuge, 360 Artilleriehaubitzen, 40 Mehrfachraketenwerfer und 150 Luftabwehrkanonen. Die Marineabteilung unterhält 40 leichte Boghammer Patrouillenboote, 10 Houdong-Boote mit Anti-Schiff-Raketen und eine Einheit mit landgestützten Anti-Schiff-Raketen HY-2 Seersucker.

Die vorhandenen Sprengköpfe und Startkomplexe für die Scud-Raketen befinden sich allesamt ebenso im Bestand der Garde wie die bekannten biologischen und chemischen Waffen, über die der Irak verfügt. Auch die gesamten ballistischen Mittelstreckenraketen vom Typ Shahab-3 unterstehen dem Kommando der Garde.

Die Basij und andere paramilitärische Kräfte

Die verbleibenden paramilitärischen Kräfte und die bewaffneten Einheiten des Innenministeriums verfügen nur über begrenztes militärisches Potenzial. Die militärisch organisierten 740 Basij Bataillone mit einer Friedensstärke von 90 000 und einer verfügbaren Reserve von über 900 000 Mann unterstehen dem Kommando der Revolutionären Garden. Die Basij sollen insbesondere bei lokalen und regionalen Unruhen für Ruhe und Ordnung sorgen und stellen gemäß dem Fall eines gegnerischen Angriffs die Kräfte für den unkonventionellen lokalen Widerstand. Nichtsdestotrotz ist die durchschnittliche Ausbildung und Ausstattung eher mangelhaft. Nach den Unruhen in der Mitte der 90ger Jahre wurde lediglich die Eindämmung gewaltsamen Demonstrationen und Ausschreitungen trainiert sowie die Koordination zwischen den Einheiten verbessert.

Letztlich verfügt das Innenministerium noch über ungefähr 50 000 Mann im Polizeidienst und bei der Grenzpolizei, deren Ausrüstung auch leichte Patrouillenflugzeuge (Cessna 185/310), Hubschrauber vom Typ AB-205 und -206 und 130 kleinere Küstenwachschiffe einschließt.

Die Luftwaffe

Bei der iranischen Luftwaffe dienen ungefähr 15.000 Mann, die über 300 Luftfahrzeuge betreiben. Die relativ große Anzahl wird allerdings durch die schlechte Einsatzbereitschaft der Flugzeuge und Hubschrauber relativiert. Man schätzt, dass zeitweise nur knapp 60 % der verfügbaren Luftfahrzeuge wegen fehlenden Ersatzteilen oder Verschleiß einsatzbereit sind. Und selbst die restlichen Modelle entsprechen schon lange nicht mehr den Anforderungen des modernen Luftgefechts. Das Hauptquartier der Luftwaffe liegt in Teheran und koordiniert die 3 regionalen Hauptquartiere im Nord-, Zentral- und Südiran. Die wichtigsten Flugplätze sind in Mehrabad, Tabriz, Hamadan, Dezful, Bushehr, Shiraz, Isfahan, und Bandar Abbas.

Das Training der Piloten wurde seit über 15 Jahren nur begrenzt weiterentwickelt seit die USA einige Piloten ausgebildet hat. Vermutlich arbeiten die Piloten und Mechaniker heute noch mit den alten Handbüchern, die von den ausländischen Instrukteuren mitgebracht wurden. Das Zusammenwirkungen von verschiedenen Flugzeugtypen, Geschwadern und den anderen Teilstreitkräften wird nur langsam verbessert. Der Mangel an genügend Tankflugzeugen und leistungsfähigen Aufklärungsflugzeugen für die Luftraumüberwachung und Zielzuweisung begrenzt die Einsatzmöglichkeiten der Kampfflugzeuge.

Die Kommandeure der Luftwaffe scheinen diese Mängel erkannt zu haben und beginnen derzeit insbesondere die Einsatzreichweite, Koordination, und Schutz vor elektronischen Störmaßnahmen zu verbessern. Parallel dazu laufen Bemühungen moderne elektronische Aufklärungsflugzeuge zu erwerben und die Entwicklung von unbemannten Drohnen wird vorangetrieben. Der Iran hat sogar ein eigenes Weltraumprogramm, um in absehbarer Zeit Aufklärungssatelliten in die Erdumlaufbahn bringen zu können.

Kampfflugzeuge:

- 55-65 F-4D/E Phantom II

- 55-65 F-5E/FII

- 20-25 F-14 in der Exportversion

- 25-35 F-7M (China)

- 25-30 MiG-29

- 27-30 Su-24 sowie

- 7 Su-25K und

- 24 Mirage F-1 die während des Zweite Golfkriegs 1991 von den Irakis zum Schutz in den Iran geflogen wurden

Derzeit entwickelt der Iran 3 eigene Kampfflugzeugmuster: die Shafagh, Saeghe und Azarakhsh. Der erstgenannte Typ wurde im Jahre 2002 der Öffentlichkeit vorgestellt. Aber es ist zweifelhaft, ob die Entwicklung innerhalb von 10 Jahren abgeschlossen ist und die ersten Flugzeuge ausgeliefert werden, wie es sich die Entwickler erhoffen. Alle drei Typen basieren hauptsächlich auf Flugzeugmuster und Technologien, die sich im Bestand der Luftwaffe befinden.

Aufklärungs- und Transportflugzeuge:

- 3-8 amerikanische RF-4E zur taktischen Aufklärung

- 5 amerikanische C-130H Marine-Patrouillenflugzeuge

- 1 amerikanisches RC-130 Aufklärungsflugzeug

- 3 Boeing 707 und

- 1 Boeing 747 Tankflugzeug

- 4 Boeing 747,

- 1 Boeing 727,

- 18 C-130E/H,

- 3 Commander 690,

- 10 Fokker F-27 und

- 1 Falcon 20A Transportflugzeuge

Bis zum Jahr 2006 wird auch die Lieferung der 14 chinesischen Xian Y-7 Transportflugzeuge abgeschlossen sein.

Zur Pilotenausbildung verfügen die Luftstreitkräfte des Iran über 10 EMB-312 Tucano, 45 PC-7 und einige Trainer aus pakistanischer Produktion .

Hubschrauber:

- 2 AB-206A

- 27-30 Bell 214C

- 2 CH-47

- 30 Mi-17 und

- Einige iranische Shabaviz 206-1 und 2-75 Transporthubschrauber


In den Luftabwehreinheiten der Luftstreitkräfte dienen circa 8.000 Soldaten der regulären Armee und 4.000 Soldaten der Revolutionären Garden. Es ist sehr schwierig zu unterscheiden unter welchem Kommando die einzelnen Einheiten stehen. Insgesamt verfügt der Iran über folgende Raketensysteme zur Flugabwehr:

- Über 150 Starter für die verbesserten I-Hawk

- 45-55 Starter für SA-2 und die identische chinesische Version HQ-2J/23 (CSA-1)

- 25 Starter für SA-6

- 10-15 Starter für SA-5

- 30 Starter für Rapier

- 5-10 Starter für chinesische FM-80

- 10-15 Starter für Tigercat

- Iran hat auch die Eigenentwicklung Shahab Thaqeb in unbekannter Anzahl eingeführt

Die verfügbaren Luftabwehrsysteme reichen lediglich aus um Schlüsselgebiete, wie wichtige Städte, Militärbasen, See- und Flughäfen oder Industriezentren zu schützen.

Des Weiteren ist die Luftabwehr sehr verwundbar für elektronische Störmaßnahmen und überraschende Angriffe aus unterschiedlichen Höhen und Richtungen. Um solch einen multiplen Angriff abwehren zu können sind die verschiedenen Waffensysteme nicht kompatibel und es fehlen die nötigen leistungsfähigen Kommunikationsverbindungen.

Die Seestreitkräfte


Bei der iranische Marine dienen etwas über 18 000 Soldaten auf 3 U-Booten, 3 Fregatten, 2 Korvetten, 10 Flugkörper-Patrouillenbooten, 7 Minenlegern, 44 Küstenwachbooten und auf 9 amphibischen Einheiten sowie in den Marinebasen in Bandar-e Abbas, Bandar-e Anzelli, Bander-e Khomeini, Bandar-e Mahshahar, Bushehr, Chah Bahar und auf der Insel Kharg. Dazu kommen mit 5 Patrouillenflugzeugen und 18 Hubschraubern auch die Marineflieger mit insgesamt 2 000 Soldaten und eine reguläre 2 500 Mann starke Marineinfanterie. Nicht dazugerechnet sind die maritimen Verbände, die den Revolutionären Garden unterstellt sind.

In den letzten Jahren wurde der Modernisierung der augenscheinlich vernachlässigten Marine eine große Bedeutung zugemessen. Neue Schiffstypen und Waffensysteme aus Nord-Korea, China und Russland wurden gekauft oder in Lizenz gebaut bzw. eigenständig weiterentwickelt. Der Schwerpunkt liegt bei diesen Anstrengungen nicht bei den großen Überwassenschiffen sondern auf kleine U-Boote für die Küstengebiete, schnelle und wendige Angriffsboote mit einer schlagkräftigen Flugkörperbewaffnung, Minen sowie landgestützte Anti-Schiff-Raketen. Aufgrund dieser Aufstellung kann man die strategische und operative Aufstellung der iranischen Marine durchaus als defensiv bezeichnen. Der Schutz des Territoriums vor Aggressionen des Feindes von See aus wird absolute Priorität beigemessen. Die Initiative soll durch die multiplen Bedrohungen von Unterwasser- und Überwassereinheiten, Flugzeugen sowie mobilen landgestützten Flugkörpern erzwungen werden. Alle Schiffe der iranische Marine sind allerdings gegen Luftbedrohungen entweder überhaupt nicht oder nur ungenügend geschützt. Zum einen verfügen sie nicht über leistungsfähige Radarsysteme um den Feind rechtzeitig zu entdecken und zum anderen reicht die Ausrüstung mit leichten Flugabwehrkanonen und tragbaren Flugabwehrraketen nicht aus. Bei den Möglichkeiten zur Abwehr von U-Boot-Angriffen ist die Situation ähnlich und über Schutzmaßnahmen gegen moderne elektronische Störmaßnahmen verfügt auch kein Schiff.

Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion war es dem Iran vertraglich nicht gestattet Marinekräfte im Kaspischen Meer zu stationieren. Inzwischen gelten diese Abmachungen nicht mehr und Der Iran hat nach Russland die zweitgrößte Marine in diesem Binnenmeer. Der zuständige 4. Marine Verband befehligt inzwischen fast 3.000 Man und bis zu 50 Kampf- und Unterstützungsschiffe. Die Bemühungen die Seestreitkräfte zu modernisieren konzentriert sich auch auf diese Region und beunruhigt zunehmend die russischen Militärs.

Flugkörper:

Die chinesische HY-2 Seeadler (auch Seersucker genannt) mit einer Reichweite von über 80 km ist landgestützt und sehr mobil.

Die chinesische CS-801 Falke hat einen aktiven Radarsuchkopf und kann Seeziele auf 74 km bekämpfen. Die CS-802 ist eine Weiterentwicklung mit einem Turbojettriebwerk statt einem Feststoffmotor.

Die Version CS-801K wird von Flugzeugen eingesetzt und hat eine Reichweite von 37 km.

Berichte über den Kauf von ukrainischen SS-N-22 Anti-Schiff-Raketen ließen sich bisher nicht bestätigen.

Die 3 iranischen Fregatten der Klasse Vosper Mark.V „Sa'am" wurden in Großbritannien gebaut und haben eine Verdrängung von 1.100 t. Die Bewaffnung umfasst einen Starter für CS-802, eine Mark.VIII Kanone im Kaliber 4,5 inch, veraltete Radaranlagen und eine begrenzte Fähigkeit zur U-Boot-Abwehr.

Die nächstgrößeren Schiffe sind die zwei Korvetten der Bayandor-Klasse aus den 60ger Jahren. Gebaut wurden die 900 t Schiffe in den USA und sind weder mit Seeziel- noch mit Luftabwehrraketen ausgerüstet. Auch die elektronische Ausstattung ist entspricht in keiner Weise heutigen Ansprüchen.

10 Schnellboote der Kaman-Klasse aus französischer Produktion mit einer 76 mm Kanone und Anti-Schiff-Raketen sind die schnellsten Überwassereinheiten für den Kampf Schiff gegen Schiff.

Die verbliebenen Patrouillenbooten mit einer Verdrängung um 100 t haben Kanonen- und Flugkörperbewaffnungen. Dazu gehören 10 Boote der Hudong-Klasse, 3 Zafar-Boote (Chaho-Klasse) aus Nordkorea, zwei Kavian-Boote aus US-amerikanischer Produktion (Cape-Klasse) und 3 verbesserte Boote der Parvin-Klasse. Dazu kommen die vielen Küstenwachboote mit einer leichten Bewaffnung.

Daneben hat der Iran noch 14 Luftkissenboote der Klassen BH-7 und SRN-6. Sie sind über 120 km/h schnell und eignen sich deshalb sehr gut für Aufklärungseinsätze und das Anlanden von kleinen Einheiten.

Dem Minenkampf räumt die Marine auch deswegen große Bedeutung zu, weil damit die Lücke bei den konventionellen Marine- und Luftstreitkräften kompensiert werden soll. Deshalb wurden möglichst viele Waffensysteme in und auf dem Wasser und zu Luft dazu befähigt Minen zu legen. Dazu gehören auch Hubschrauber, Patrouillenboote, Landungsschiffe, Unterseeboote und im Kriegsfall vermutlich auch ortsübliche zwei- bis dreimastige Segelschiffe - die so genannten Dhows. In den Marinedepots sollen ungefähr 2.000 Minen aus verschiedenen Herkunftsländern mit unterschiedlichen Zündmechanismen lagern. Als besonders gefährlich werden die chinesischen EM-52 und MN-52 Minen eingestuft, die am Grund verankert werden und mithilfe einer Rakete Überwasserschiffe bekämpfen. Zusammen mit diesem umfassenden Potenzial Seegebiete durch Minen unzugänglich zu machen und den anderen maritimen Waffensystemen, wäre es dem Iran möglich die Straße von Hormuz für den Schiffsverkehr zumindest vorübergehend zu sperren.

Die Marineinfanterie der Seestreitkräfte kann mit Landungsschiffen und den erwähnten Luftkissenbooten an Küstengebieten angelandet werden. So ist es theoretisch möglich auf einen Schlag einen Verband in Bataillonsstärke an Land zu bringen. In der Praxis wäre so ein Vorgehen, wegen der fehlenden Luft- und Seeunterstützung allerdings sehr gewagt und wird in diesem Rahmen deswegen auch nicht geübt. Folgende Landungsschiffe stehen im Dienst der Marine:

- 4 LST der Hengam- (Larak-)Klasse mit einer Verdrängung von 2.940 t,

- 3 LST der Hormuz-Klasse mit einer Verdrängung von 2.014 t aus Süd Korea,

- 3 LST der Hormuz-21-Klasse mit einer Verdrängung von 1.800 t und

- 3 LSL der Fouque-Klasse mit einer Verdrängung von 176 t.

Außerdem bestehe die theoretische Möglichkeit zivile Schiffe, wie Fähren und Ro-Ro-Frachter, einzusetzen, um Truppen in Häfen anzulanden.

Die iranischen Marine hat folgende Unterstützungsschiffe:

- Ein 33.000 t Versorgungsschiff der Kharg-Klasse,

- Zwei 4.673 t Flottenunterstützungsschiffe der Bandar-Abbas-Klasse,

- Ein 14.410 t Reparaturschiff,

- Zwei 12.000 t Frischwassertanker,

- Sieben 1.300 t Versorgungsschiffe der Delva-Klasse,

- Sechs Unterstützungsschiff der Hendijan-Klasse sowie Reihe kleinerer Tender, Schlepper und Reparaturschiffe.


Die 3 Unterseeboote des Irans sind die Exportversion der russischen der Kilo-Klasse (877EKM). Diese diesel-elektrischen U-Boote vereinen gute Gefechtssysteme mit modernen Torpedos und einer Minenlegefähigkeit. Trotzdem ist es zweifelhaft, ob diese U-Boote im Ernstfall effektiv zum Einsatz gebracht werden können. Der Grund dafür liegt in den geographischen Eigenarten des Persischen Golfs, der zwar relativ lang und breit, dafür aber selten tiefer als 100 ist. Wenn man die minimale Einsatztiefe der Kilo-Klasse mit 45 m berücksichtigt, ergeben sich einige Schwierigkeiten beim Navigieren und Manövrieren unter Wasser. Außerdem hat der Persische Golf wegen der umfangreichen Schifffahrt, dem hohen Salzgehalt, der geringen Tiefe und der hohen Wassertemperatur ungünstige hydrometeorologische Bedingungen für Sonargeräte. Im Golf von Oman zu operieren ist allerdings noch gefährlicher, weil hier moderne U-Boot-Abwehrschiffe und nuklearbetriebene Jagduboote wesentlich im Vorteil sind. Um die geringen Tiefen des Persischen Golfs und der Küstengebiete als Vorteil nutzen zu können, setzt der Iran zunehmend auf leichte U-Boote, die weitaus wendiger sind. Nach eigenen Angaben werden seit dem Jahr 2000 solche Kleinuboote mit der Bezeichnung Al-Sabiha auf iranischen Werften gebaut.

Die Marineflieger verfügen über folgende Luftfahrzeuge:

- 2-3 P-3F Orion mit fragwürdiger Einsatzfähigkeit

- 12 SH-3D zur U-Boot-Abwehr

- 2 RH-53D zum legen und räumen von Seeminen

- 7 AB-212 Verbindungshubschrauber


Daneben wurde einige AH-1J der Luftwaffe umgerüstet, so dass sie mit französischen AS-12 Flugkörpern auch Schiffe bekämpfen können. Zusätzlich wurden C-130 Hercules und Fokker Friendship der Luftwaffe mit Überwachungssystemen nachgerüstet und verfügen jetzt über die Fähigkeit Minen zu legen.

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