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Raad-1 / Thunder-1 122 mm
Dan Löffler Die Panzerhaubitze mit der lokalen Bezeichnung Raad-1 ist das erste von iranischen Firmen entwickelte und produzierte Waffensystem dieser Art. Obwohl die Leistungen der Raad-1 unter denen vergleichbarer westlicher Entwicklungen liegen, setzt das Militär und die Rüstungsindustrie des Iran damit ein Zeichen für die angestrebte Unabhängigkeit bei der Wehrtechnik.
Die Streitkräfte des Iran haben es schwer hochentwickelte Technik aus dem Ausland einzukaufen. Das liegt einerseits am Waffenembargo der westlichen Staaten und andererseits an dem geringen Militäretat aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Landes. Trotzdem ist die islamische Republik stark daran interessiert die Qualität der militärischen Ausrüstung zu verbessern. Denn die verfügbaren Waffensysteme, die vielfach mehrere Jahrzehnte alt sind, entsprechen schon lange nicht mehr modernen Gefechtsanforderungen, wenn sie nicht schon verschrottet werden mussten. Lokale Eigenentwicklungen bzw. Weiterentwicklungen von verfügbaren Waffenplattformen und Technologien ist der günstigste Weg neue Waffensystem in Dienst zu stellen. Zudem wird dadurch die iranische Rüstungsindustrie gestärkt, die weiter ausgebaut werden soll. Schon im Iran-Irak-Krieg (1. Golfkrieg) von 1980 bis 1988 wurde die Artillerie in Ermangelung einer durchsetzungsfähigeren Luftwaffe stark ausgebaut. Entgegen der Tendenz zu mobilen Panzerhaubitzen waren viele der Rohrwaffen gezogene Artillerie, die mit den mechanisierten Einheiten im modernen Gefecht kaum Schritt halten können. Dementsprechend fordert auch das iranische Militär Panzerhaubitzen, mit denen sie die veralteten Modelle aus unterschiedlichsten Jahrzehnten und Herkunftsländern ablösen können. Lediglich einige wenige Selbstfahrlafetten 2S1 im Kaliber 122 mm aus sowjetischer Produktion entsprachen den Anforderungen der Artillerie-Abteilungen. Deshalb entschloss man sich bei der iranischen Behörde für Wehrbeschaffung (Defence Industries Organisation - DIO) auf Basis des erwähnten russischen Modells ein eigene Panzerhaubitzen zu produzieren. Bereits im Jahr 1996 wurde der Raad-1 nach iranischen Angaben erfolgreich getestet. Die Konstruktion Das Layout des Fahrzeugs erinnert mit dem weit zurückgesetzten Turm stark an das russische Vorbild. Der Rumpf sitzt auf dem Laufwerk vom ebenfalls im Iran hergestellten Schützenpanzer Boragh. Dieser Spz ist eine Weiterentwicklung des chinesischen Schützenpanzers Type WZ 501/503, der seinerseits auf dem russischen BMP-1 basiert. Der Motor und das Getriebe liegen neben dem Fahrer im vorderen Teil des Fahrzeugs. Dabei handelt es sich um einen luftgekühlten 8-Zylinder Dieselmotor mit ausreichenden Leistungsreserven. Die Stahlpanzerung hat eine maximale Stärke von 17 mm und schützt die Besatzung effektiv vor leichten Infanteriewaffen und Granatsplittern. Seitenschürzen decken den oberen Teil des Fahrwerks mit den 6 Laufrädern ab. Ein Schwallblech am Bug kann bei der Überquerung von Wasserhindernissen abgeklappt werden. Die amphibische Panzerhaubitze ist mit einer Gefechtsmasse von 17,5 t relativ leicht und damit sehr gut an die regionalen geographischen Gegebenheiten angepasst. Denn im gebirgigen Iran mit den Überschwemmungsgebieten im Westen wird man zudem selten auf Brücken oder Übergänge treffen, die mehreren dutzend Tonnen standhalten würden. Das markanteste Merkmal des Raad-1 ist der hochgezogene Rumpf direkt unter dem Turm. Dadurch konnte im hinteren Kampfraum mehr Platz für die dreiköpfige Besatzung und die Munition gewonnen werden. Außerdem verbesserte sich damit der Richtbereich der Kanone. Sie hat einen Höhenschwenkbereich von -3° bis 72°, während sich der Turm um 360° drehen lässt. Mit der optischen Ausstattung kann der Richtschütze Ziele im direkten und indirekten Schuss bekämpfen. Die verwendete Haubitze 122 mm 2A31 Kaliber 39 wird unter der iranischen Bezeichnung HM51 von der Rüstungsfirma Hadid produziert. Das gleiche Unternehmen stellt auch die verschiedenen Munitionssorten für die Raad-1 her. Sie ist identisch mit der der Munition für die russischen gezogenen Haubitzen D-30 im selben Kaliber, die ebenfalls vom Iran importiert wurden. Insgesamt finden 35 Granaten mit den dazugehörenden Treibladungen im Fahrzeug platz. Die maximale Schussentfernung von 15 200 m reicht allerdings nicht aus, um die Operationstiefe größerer Verbände abzudecken. Die Genauigkeit leidet darunter, dass die Feuerstellung noch zeitaufwändig vermessen werden muss, weil die Fahrzeuge kein GPS-Gerät besitzen. Weiterhin steht der Artillerieaufklärung innerhalb der iranischen Armee kaum geeignete Ausrüstung zur Verfügung. Aktuelle Projekte zur Entwicklung von unbemannten Aufklärungsflugzeugen werden erst in einigen Jahren ihre Einsatzreife erreicht haben. Bis dahin wird sich die Taktik der Artillerie auf massiertes Feuer auf feindliche Truppenansammlungen und feste Positionen stützen. Technische Daten:
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