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Der Zulfiqar (Zolfaqar, Zolfaghar)
Dan Löffler Der Zulfiqar, benannt nach dem Schwert des muslimischen Helden Hazrat Ali, ist der erste Kampfpanzer aus iranischer Produktion. Obwohl er der Öffentlichkeit bereits 10 Jahre bekannt ist, ranken sich um die 3 Versionen immer noch viele Gerüchte. Allen voran steht die Frage nach welchem Vorbild sie konstruiert wurden.
Nach wie vor sind alle Streitkräfte der Welt daran interessiert ihre Verbände mit den modernsten Panzern, vorzugsweise aus eigener Produktion auszustatten. Aufgrund des ständigen Wettlaufs mit technologischen Möglichkeiten ist und bleibt die Panzerkonstruktion allerdings eine komplizierte Herausforderung, der nur wenige Rüstungsindustrien auf der Welt gewachsen sind. Der Iran war und ist wegen dem Waffenembargo des Westens gezwungen sich diese Fähigkeiten anzueignen, wenn er die alternden Panzertypen ersetzen möchte. Anfangs nahmen die Rüstungsfirmen nur Modernisierungen an den amerikanischen und russischen Panzern vor. Aber schließlich traf man um 1990, wohl auch durch den erfolgreichen Merkava der Israelis angespornt, den Entschluss den Bau eines eigenen Kampfpanzers zu wagen. Das sich die Ingenieure beim Entwurf der Prototypen und bei der Wahl der verwendeten Komponenten von den Erfahrungen mit den amerikanischen M-48 und M-60 als auch von den russischen Typen leiten ließen, die bei den iranischen Streitkräften verwendet werden, steht außer Frage. Einzig und allein die Frage, ob und wenn ja, welches Modell als Vorlage Verwendung fand ist stark umstritten. Die ersten Vermutungen gingen vom T-72 aus, mit denen der Iran Anfang der 90-iger Jahre aus Polen und Russland beliefert wurde. Andere Quellen stützen sich auf andere Komponenten und meinen, dass die amerikanischen Panzer Modell standen, oder dass der Zulfiqar gar ein Nachbau des M1 Abrams ist. Und wiederum andere Meinungen sehen eine enge Verwandtschaft mit dem brasilianischen Osorio von Engesa, der Ursprünglich für Saudi Arabien bestimmt war. Einigkeit besteht allerdings in der Ansicht, dass der Zulfiqar nicht ohne die Hilfe anderer Staaten oder Firmen, beispielsweise aus Pakistan oder China entstanden ist und das einige hochentwickelte Bauteile weiterhin importiert werden müssen. Die ersten Prototypen wurden im Jahr 1993 fertiggestellt und den ersten Tests unterzogen. Aber erst ein Jahr danach gab das iranische Militär die Entwicklung eines eigenen Kampfpanzers öffentlich bekannt, der durch eine Abteilung der Revolutionären Garden mit dem Namen „Construction Crusade" gebaut werden soll. Daraufhin wurden 6 Vorserienmodelle gebaut mit denen die Tests zur Einsatzreife fertiggestellt wurden, bevor die Serienproduktion im Jahr 1999 begann. Der Iran hält sich weiterhin sehr bedeckt, was die Fähigkeiten und den Entwicklungsstand der laufenden Modernisierungen des Zulfiqar betrifft. Neuere Bilder, die den Panzer in Bewegung zeigen, gibt es nicht und auch auf den Propagandavideos zu den letzten Militärmanövern und -vorstellungen ist kein Zulfiqar zu sehen. Der erste Zulfiqar Das Laufwerk des Zulfiqar 1, die mit großer Wahrscheinlichkeit nur die Vorserienmodelle umfasst, besitzt 6 Laufrollen und 5 Stützrollen. Abgesehen von der Anzahl der Stützrollen, scheint man sich bei der Konstruktion des Laufwerks am M-60 und vielleicht am M-48 orientiert zu haben und einige Teile, wie die Laufrollen und auch die Kette mit den Gummiaufsätzen hat man übernommen. Dagegen ist seine geringe Höhe auffällig, die beim Entwurf des Panzers im Allgemeinen eine wichtige Rolle gespielt haben muss. Die Wanne und der Turm sind aus gewalztem Panzerstahl zusammengeschweißt worden und es wurde versucht eine möglichst günstige ballistische Form zu erhalten. Auch hier scheint man die Dicke des Schutzes an ein Maximalgewicht gekoppelt zu haben, weshalb auch keine Seitenschürzen montiert wurden. Schließlich bieten die geografischen Begebenheiten des Iran und seine Infrastruktur keine idealen Voraussetzungen für schwere Kampfpanzer. Die Raumaufteilung im Inneren ist sehr konventionell, mit dem Fahrer links vorn und dem Motorblock mit dem Getriebe im hinteren Teil der Wanne. Der Fahrer steuert den Panzer vorzugsweise mit offener Luke oder über 3 Winkelspiegel. Der Turm wurde zentral aufgesetzt und hat ähnlich wie die Wanne eine Kastenform mit spitz zulaufender Front. Im Turm finden der Kommandant auf der rechten Seite und der einzige Kanonier auf der linken Seite Platz. Die Besatzung mit lediglich 3 Mann konnte durch den Einbau einer Ladeautomatik für die 125-mm-Glattrohrkanone realisiert werden. Die Kanone mit Rauchabsauger als auch die Ladeautomatik stammen vom T-72 bzw. vom abgespeckten T-72S, der in Iran unter Lizenz gebaut wird. Die Projektile und die Treibladungen werden größtenteils im Turm gelagert, um vom Ladeautomaten schnell in den Verschluss geschoben zu werden. Eine Koaxialbewaffnung ist nicht erkennbar, dafür kann ein russisches 12,7-mm-MG DschK über der Kommandantenkuppel angebracht werden. Die Feuerleitausrüstung und die Sichtsysteme des Zulfiqar weisen weitere Rätsel auf. Die erste Baureihe schien in diesem Belangen noch sehr spartanisch ausgestattet zu sein, weshalb ihr eine echte Nachtkampftauglichkeit abgesprochen werden muss. Die Kanone war jedoch in beiden Ebenen stabilisiert und blieb mit der guten Reichweite und Durchschlagskraft ein gefährlicher Gegner für jeden anderen Kampfpanzer auf dem Gefechtsfeld. Angetrieben wird der Zulfiqar durch einen luftgekühlten Dieselmotor. Obwohl es auch hier einige Spekulationen zur Herkunft des Antriebs gibt, kann man davon ausgehen, dass es sich dabei um den russischen V-46-12 V-12 handelt. Er entwickelt eine Leistung von knapp 800 PS und ist mit dem SPAT 1200 Getriebe verbunden. Natürlich kann man iranische Modifikationen an beiden Antriebskomponenten nicht ausschließen und wahrscheinlich wurden versuchshalber auch andere Dieselmotoren, wie eine Version des amerikanischen Teledyne Continental AVDS-1790, in den Zulfiqar eingebaut. Modifikationen Als der erste iranische Panzer im Jahr 1994 vorgestellt wurde, war die Entwicklung noch nicht abgeschlossen und sie sollte sich noch lange hinziehen. Denn Mitte der 90-iger erhielt der Iran durch weitere Panzerimporte und ein zunehmend offenen Weltmarkt Zugriff auf moderne Panzertechnologien. Sie waren selbstverständlich bemüht neue Komponenten schnellstmöglich in den Zulfiqar zu integrieren.
Ganz vorne auf der neuen Ausrüstungsliste standen moderne Feuerleitsysteme, die vermutlich aus den ehemaligen Ostblockländern stammen. Dazu zählen moderne Sensoren zum Erfassen der äußeren Witterungsbedingungen, der Rohrabnutzung, der Munitionsart und anderer Faktoren, die das Flugverhalten des Projektils beeinflussen. Schließlich konnte man auch einen Laserentfernungsmesser und moderne Nachtsichthilfen für die gesamte Besatzung integrieren. Mit diesen Maßnahmen konnte die Ersttrefferwahrscheinlichkeit enorm verbessert werden und der Panzer ist jetzt bei nahezu allen Witterungsbedingungen einsetzbar. Aber die Veränderungen beschränkten sich nicht nur auf die elektronische Ausstattung. Am auffälligsten ist die Verlängerung der Wanne und des Fahrwerks mit einem zusätzlichen Laufrad. Weshalb die Vergrößerung notwendig wurde ist schwer zu bestimmen. Vielleicht wollte man nur den spezifischen Bodendruck senken und das Laufwerk entlasten, weil das Gesamtgewicht den Zulfiqar zugenommen hatte. Denn die zweite große äußere Änderung betrifft die Panzerung und als Folge einen komplett überarbeiteten Turm. Die spitz zulaufende Form wurde zu Gunsten einer vollständig heruntergezogenen Konstruktion aufgegeben. Es ist auch möglich, dass eine einfache Schottpanzerung mit unterschiedlichen Panzerungsmaterialien beim Bau verwendet wird. Zusätzlich kann der Schutz durch reaktive Panzerungselemente erhöht werden, die der Iran produziert. Sie entsprechen den russischen Vorbildern und sind resistent gegen Beschuss bis zu 30 mm und Napalm. Weitere Änderungen betreffen den Anbau von Seitenschürzen und ein koaxiales MG im Kaliber 7,62 mm. Zur Zeit befindet sich die jüngste Version Zulfiqar 3 in Serienproduktion. Wenn alle veralteten Panzermodelle mit ihm ersetzt werden wollen, wird eine beeindruckende Stückzahl erreicht. Exportambitionen dürften die Iraner für ihren Panzer ebenfalls haben. Man kann deshalb hoffen, dass in Zukunft weitere Details veröffentlicht werden, um das Interesse potentieller Käufer zu wecken. Technische Daten:
Von: Dan Löffler (http://www.danmil.de) ____________________________________________________________ Copyright Dan Löffler 2007 - Impressum |
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